Jeden Freitag ab 18.30 - offener Abend im Dar al Janub, Kleistgasse 8, 1030 Wien         

 
Palästinensische Parlamentarier beim Roten Kreuz in Jerusalem unter Hausarrest

Publikation (vergriffen)

 

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Take a Tour with Hatschi Bratschi - Frühlingsprogramm des Dar al Janub, 21.05.2011 bis 17.06.2011

Menschenfresser

Generationen von Kindern wuchsen mit dem Kinderbuch Hatschi Bratschis Luftballon auf. Ein kleiner, blonder, weißer, europäischer Junge spielt fröhlich auf der Wiese im Sonnenschein, doch bald taucht er auf, der böse Hatschi Bratschi (heißt er, und kleine Kinder fängt und beißt er)...mit seinem großen roten Luftballon reißt er den kleinen Fritz mit sich fort und verschleppt ihn...doch der blonde, "arische" Junge wirft den bösen Orientalen mutig über Bord und bereist tapfer und alleine die halbe Welt.

Die "wahren Abenteuer" erlebt er als Entdecker, fliegt bis nach Afrika, wo "aber mit dem großen Messer, kommen schon die Menschenfresser, tückisch nähern sie sich leise, klettern nach der Affen Weise (...)", die natürlich den wackeren, jungen, europäischen Entdecker fressen wollen. Doch unserem jungen Helden gelingt es, alle Barbaren, Menschenfresser und Wilde abzuschütteln und zu besiegen, um schließlich alle von Hatschi Bratschi entführten Kinder zu retten.

Die Standard-Journalistin Gudrun Harrer beschreibt die Entstehungsgeschichte und die dahinterliegenden Projektionen auf "den Orientalen" treffend, wenn sie schreibt:


"Der Hatschi B. - der Titel Hadschi kommt von Hadsch, Pilgerfahrt nach Mekka, und bezeichnet einen, der diese absolviert hat - blickt auf eine lange Geschichte zurück: Ginzkeys Buch war erstmals 1904 in Berlin erschienen, 1922 wurde es mit künstlerischen Illustrationen von Erwin Tintner neu herausgebracht. Die Ausgabe des Anton-Pustet-Verlags in Salzburg mit den Zeichnungen von Ernst von Dombrowski (1896- 1985) zeigte einen Hatschi, der dem Stürmer alle Ehre gemacht hätte: Von den spitzen Zähnen unter seiner semitischen - dabei war er doch ein Türke! - Hakennase sieht man quasi das deutsche Kinderblut tropfen. Franz Karl Ginzkey (1871-1963) - übrigens ist ein Text von ihm zu einer Beethoven-Melodie seit 1965 niederösterreichische Landeshymne - wird es nicht übermäßig gestört haben, er stand den Nationalsozialisten nahe, was seine Nachkriegskarriere nicht behinderte." (Gudrun Harrer, Der Standard, Printausgabe, 14./15.6.2008).

Aus den "menschenfressenden Negern", die auf "Affen Weise" Palmen hochklettern, wurden nach dem Nazi-Faschismus politisch korrekter Affen, und Hatschi Bratschi - immer noch ein böser Orientale, nunmehr nicht aus dem Türkenland, sondern aus dem Morgenland - wurde etwas zeitgemäßer orientalisiert, Hakennase weg, eine Knollnase wuchs ihm, die spitzen Zähne wurden ihm geschliffen, doch immer noch ist er grundböse und schlecht, ein Hatsch eben, ein Muslim, der nichts Gutes im Schilde führt, immer noch kleine, arische, pardon, abendländische Kinder verschleppt...


Kein Wunder, dass H.C.Strache diese Projektionen vom Orientalen adaptiert, umkehrt und damit "das Ausländerthema satirisch darstellt" (© www.hatsche.at) und "Hatsche Stratsches Luftballon. Heimreise statt Einreise." daraus macht, denn Abendland gehört bekanntlich in Christenhand.


Mit "Take a Tour with Hatschi Bratschi" wollen wir gemeinsam die Projektionen beleuchten, die orientalistischen Stereotype der okzidentalistischen Selbstvergewisserung gegenüberstellen und in Stadtspaziergängen und Workshops Fremd- und Eigenbilder kritisch reflektieren. Als Fortsetzung des erfolgreichen Projekts "Sesam öffne dich - Begegnung schafft Räume" (unterstützt von der MA 17 der Stadt Wien) vom Vorjahr laden wir alle Interessierten herzlich ein, eine Tour mit Hatschi Bratschi durch Wien und durch die medialen und - im weitesten Sinne - belletristischen Landschaften zu unternehmen:

  • Erste Station, 21.05.2011: Stadtspaziergang I - Vom Wienerberg zum Justizpalast - Migration und ArbeiterInnenbewegung in Wien. 11:00 bis 15:00/16:00 (je nach Teilnehmeranzahl und Mobilität) Treffpunkt: Reumannplatz vor Amalienbad
  • Zweite Station, 27.05.2011: Workshop im Dar al Janub - Moderne mediale Darstellungen und Projektionen des "Orients und der Orientalen". Beginn: 16 Uhr im Dar al Janub, Kleistgasse 8, 1030 Wien
  • Dritte Station, 28.05.2011: Südwind Straßenfest mit einem Info-Stand von Dar al Janub
  • Vierte Station, 04.06.2011: Stadtspaziergang II - Die kolonialen und orientalistischen Spuren der Habsburgermonarchie in Wien. 11:00 bis 15:00/16:00 (je nach Teilnehmeranzahl und Mobilität) Treffpunkt: Spinnerin am Kreuz, Triesterstraße
  • Fünfte Station, 10.06.2011: Workshop II - Das Gift der frühen Jahre - Rassismus und Fremdbilder in Kinderbüchern, Schulbüchern und Belletristik. Beginn: 16 Uhr im Dar al Janub - Kleistgasse 8, 1030 Wien.
  • Sechste Station, 17.06.2011: Sommerfest des Dar al Janubs

 

 

 


 

Veranstaltungsbericht zur Podiumsdiskussion "Rassismus: Gesellschaftliche Strukturen, wissenschaftliche Konstrukte und politische Praxis - Ein Dialog aus unterschiedlichen Perspektiven

Vom 26. März 2010 bis 18. Juni 2010 initiierte der Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative das von der Magistratsabteilung 17 der Stadt Wien geförderte Projekt „Sesam öffne dich – Begegnung schafft Räume“. Neben mehreren Stadtspaziergängen, bei der WienerInnen mit und ohne Migrationshintergrund sich gemeinsam auf die Spurensuche nach der unsichtbaren und marginalisierten Geschichte dieser Stadt machten, Workshops zu Antirassismus und offenen Diskussionsabenden fand am 10. Juni 2010 im Hotel Regina eine Podiumsdiskussion zur theoretischen Rahmung des Projektes statt. Dabei ging es vor allem darum, kritische universitäre, postkoloniale Auseinandersetzungen, die oftmals in keinem Bezug zu einer antirassistischen Praxis stehen, für ein interessiertes/aktivistisches Publikum aufzubereiten. Daran anknüpfend sollten Möglichkeiten der gegenseitigen Befruchtung bzw. der Überwindung von Barrieren erarbeitet werden, die wiederum in eine politische, antirassistische Praxis einfließen könnten...(weiterlesen)

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Fotos der Veranstaltung "Geschichtsschreibung
von unten - Ein Kontroverse zur Frage von Oral History als Teil antikolonialer
Geschichtsschreibung am Beispiel Palästinas"


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Zentrales und immer noch bestimmendes Selbstverständnis hegemonialer Wissenschaften in Europa und den USA ist das Prinzip universeller Gültigkeit und Objektivität. Stillschweigend wird dabei vorausgesetzt, dass die eigenen Paradigmen und Standpunkte als universelle Maßstäbe unhinterfragt bleiben und dabei die eigene Situiertheit und Verwobenheit von WissenschaftreInnen in einen Macht-Wissens-Komplex unhinterfragt bleiben. Die kolonialen Wurzeln europäischer Wissenschaften werden bei einer derartigen Herangehensweise an Wissenschaft ausgeblendet. Kritische Alternativen gegen diese Wissenschaftstradition lieferten insbesondere WissenschafterInnen des Südens, FeminstInnen, VertreterInnen der postcolonial studies und GlobalhistorikerInnen (...weiterlesen »)

Sesam öffne dich - Begegnung schafft Räume

Ein Projekt des Dar al Janub.

Mit dem Projekt "Sesam öffne dich - Begegnung schafft Räume" wird eine neue Initiative ins Leben gerufen, die eine Begegnung zwischen muslimischen MigrantInnen und der Mehrheitsgesellschaft ermöglicht und insbesondere dort anknüpft, wo institutionalisierte Projekte aufgrund eines unzureichenden Zugangs zur Community nicht entfaltet werden können (weiterlesen).


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