...
.
.
 
....
 
.

Nachlese:
Rede am Eröffnungsabend des Dar al Janub, 20.05.2005

 

Ich möchte Euch sehr herzlich im Dar Al Janub begrüßen.

Danke, dass ihr gekommen seid, danke, dass ihr die Freude der Eröffnung unseres Vereinslokales mit uns teilt.

Die meisten von euch haben mit uns schon lange zusammengearbeitet. Ihr habt uns immer wieder unterstützt, durch eure Arbeit, durch eure Erfahrung, durch gute Ratschläge und durch Motivation.

Durch das Zusammentreffen mit Menschen aus Palästina, aus der Türkei, aus der Ukraine und aus vielen anderen Ländern wurde uns immer mehr bewußt welche Bedeutung die interkulturelle Zusammenarbeit und Begegnung hat.
Sie ist herausfordernd, da Beständiges und Gewohntes, in der Lebensweise genauso wie in der politischen Analyse und Arbeit, in Frage gestellt werden. Vor allem ist sie bereichernd -
durch die zusätzlichen kulturellen und politischen Erfahrungen, durch den Vergleich und durch die andere Perspektive mit der Europa, die Menschen hier, das Zusammenleben in der Gesellschaft, die Geschichte, die Politik betrachtet wird.
Zwei Dinge fallen den Menschen die aus dem Süden nach Europa kommen sofort auf:
Erstens die Kälte und das Desinteresse aneinander, die Vereinzelung, selbst unter Nachbarn, und zweitens, und das hängt eng miteinander zusammen, die indirekte Gewalt und die Herrschaft die Europa, die die europäische Kultur oftmals ausübt.

Das sind Eigenschaften die im Zusammenleben in Europa spürbar sind, und die auch eine weltweite politische Bedeutung haben. Eigenschaften, die eine lange geschichtliche Grundlage im Kolonialismus haben, wo das Verhältnis zu anderen als Herrschaftsverhältnis bestimmt wurde, ein Verhältnis, das ausschließt und kein Miteinander kennt.
Die interkulturelle Begegnung macht uns deutlich, dass es notwendig ist Alternativen zu finden, in der Kultur und in der Politik:

In der Kultur, weg von Dominanz- und Leitkultur, weg vom Kampf der Kulturen hin zum Miteinander;
In der Politik weg von Kolonialismus, von Besatzung, von vorgeschriebener "Entwicklung" und von einer ungerechten Globalisierung hin zu Gleichheit und Eigenständigkeit, insbesondere in Palästina und insbesondere im Irak.

Wir haben unser Lokal Dar al Janub - Haus des Südens genannt

Al Janub - Der Süden steht für eine Vergangenheit und eine Geschichte, welche die größten Errungenschaften der Menschheit, die Zivilisation, die Kultur, den Reichtum hervorbrachte
Al Janub - Der Süden steht für alle Menschen und Länder die dem Kolonialismus und der Fremdherrschaft gegenüberstanden und gegenüberstehen, und die gegen diese
Fremdherrschaft und den Raub Widerstand leisten.
Al Janub - Der Süden steht für Würde und Menschlichkeit, die Menschen aller Herkunft erlangen wollen.
Al Janub - Der Süden steht für Engagement, für Widerstand und Alternativen, für eine andere Zukunft. Eine andere Zukunft, die viele Menschen anstreben, und die auch hier in Europa eine Perspektive darstellt.

Das Dar al Janub möchte mitwirken diese Perspektive hier in Europa zu entwickeln und zu verbreiten, und so einen Beitrag zur Veränderung leisten.

Es soll allen Personen, Initiativen, KünstlerInnen und Kulturschaffenden Raum und Unterstützung geben, die in diesem Rahmen einen kulturellen, politischen oder wissenschaftlichen Beitrag geben wollen.


So findet hier in diesen Räumlichkeiten die Redaktion der Zeitschrift Broschüre, in der wissenschaftlich das Nord-Süd Verhältnis untersucht und analysiert, und den Erscheinungen des Eurozentrismus auf den Grund gegangen werden soll, ihren Redaktionssitz.
Gerade die Information und die wissenschaftliche Arbeit sollen in Zukunft hier auch forciert werden.

Es gibt viele Aspekte in der europäischen Geschichte, in der internationalen Politik und im Nord-Süd-Verhältnis, die an den Universitäten wenn überhaupt, leider oft nur sehr oberflächlich und eurozentristisch behandelt werden.
Hier sollen einerseits Informations- und Diskussionsveranstaltungen helfen eine tiefere Perspektive zu bekommen. Es soll aber auch die Möglichkeit zur Forschung und zu Seminaren über Inhalte geben, die in den Universitäten, die leider immer mehr durch Markt- und Herrschaftslogik bestimmt sind, zu kurz kommen.

Die Bibliothek des Dar al Janub soll ebenfalls dazu genutzt werden.
Die Geschichte und Politik Lateinamerikas, Asiens, Afrikas und des arabischen Raumes soll zugänglich gemacht werden, auch Kritik und Widerstand gegen Kolonialismus, Besatzung, Globalisierung und Dominanzkultur sollen Platz finden.

Etwas weiteres, wichtiges soll im Dar al Janub natürlich nicht zu kurz kommen:
Das Zusammentreffen, das Gespräch, die Diskussion, das gemeinsame Essen, Teetrinken - auch dafür steht al Janub - der Süden. Wie vieles gibt es beim gemeinsamen Kochen und beim gemeinsamen Essen über andere Kulturen und über Gewohnheit zu lernen, wie viel Freude kann man dadurch gewinnen.
Das Dar al Janub soll aber auch ein Ort sein an dem Menschen die aus dem Süden nach Europa gekommen sind, etwas von ihrer Heimat finden.
Nicht die Kälte und die Gewalt, die Bürokratie Europas soll hier bestimmend sein. Wir möchten hier auch die Möglichkeit geben Europa kennenzulernen, Sprachkurse in Deutsch und auch in Arabisch anbieten, Raum für Beratung und Konversation geben.
Das Dar al Janub kann Unterstützung und ein Ausgangspunkt zur Teilnahme am kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Geschehen in Europa sein. Wir laden engagierte KünstlerInnen und Kulturschaffende herzlich dazu ein im Dar al Janub Möglichkeiten zu finden und zu realisieren, ihren kulturellen Beitrag zur antirassistischen und friedenspolitischen Bildung umzusetzen und den interkulturellen Austausch zu fördern.

Wir als Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative möchten weiterhin durch den Austausch und die Begegnung gewinnen. Und wir möchten mit Eurem Rückhalt auf die Universitäten, die Institutionen, die politischen Verantwortlichen in Europa zugehen und sie ebenfalls zum Dialog herausfordern.

Wir möchten die Menschen hier mit der Perspektive des Südens konfrontieren, sie zu einer Politik der Gleichheit und Gerechtigkeit, zu Antirassismus und zu Friedenspolitik ermuntern.
So soll Schritt für Schritt Al-Janub - der Süden - die politische und kulturelle Landschaft hier in Europa verändern.

Das Dar al Janub ist offen, und lebt von der Beteiligung aller. Wir möchten Euch zur Zusammenarbeit einladen, Euch einladen Eure kulturellen, politischen, sozialen und wissenschaftlichen Ideen und Projekte zu verwirklichen.

Wir haben sicher noch Gelegenheit weiter darüber zu sprechen, heute und wann immer ihr wollt - das Dar al Janub soll wie ein Wohnzimmer für Euch sein.

Danke für Eure Aufmerksamkeit, danke für Euer Kommen, danke für Eure Hilfe, und wir möchten Euch allen noch einen schönen Abend wünschen.

Peter Leidenmühler, Sprecher des Vereins für antirassistische und friedenspolitische Initiative

 

asdflsadlfkldfjlksdajflasdlfklasdfjlsdajflsjdafasdfasdfasdfasdfasdf

asdfasdfsdafasdf sdf

asdf asdf fsa


.


Impressum

Copyright © Dar al Janub - Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative