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Erster kurzer Reisebericht aus den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon

Ein vollständiger Reisebericht erschien im April 2006 als Buch mit dem Titel "...und wo ist Palästina? Eine Reise in die palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon" (Inhaltsverzeichnis und Leseproben finden Sie hier)

Als europäische Menschen, die seit Jahren in ihrer Solidaritätsarbeit Palästina und die palästinensische Sache als Kern ihrer täglichen Arbeit betrachteten, ist für uns die erstmalige Reise in die Flüchtlingslager im Libanon, der unmittelbare Kontakt mit dem palästinensischen Volk von größter und unschätzbarer Bedeutung. Daher möchten wir uns bei den PalästinenserInnen in den Flüchtlingslagern, ihren Organisationen und Repräsentanten für ihre Großzügigkeit, Geduld und Gastfreundschaft herzlichst bedanken.
Trotz aller Bilder und TV-Nachrichten, trotz aller Bücher und Artikel die man über die Geschichte Palästinas, die Situation der palästinensischen Flüchtlinge, die Verbrechen Israels am palästinensischen Volk und seinem Land liest, ist man angesichts der Not, des Elends und der Armut mit der man in den Flüchtlingslagern konfrontiert wird schockiert, aber zugleich auch tief beeindruckt, angesichts des unerschütterlichen Lebenswillens, der unbeugbaren Lebensfreude und der Kraft und Zuversicht der PalästinenserInnen. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der wir als Menschen eines Kontinents empfangen und willkommen geheißen wurden, dessen Regierungen den israelischen Mördern die Hände schütteln, ist für uns beschämend und berührte uns zutiefst.
Die Lebenssituation der Flüchtlinge hier in Rashydia, Schatila, Ain al-Hilweh, Burj-Al-Barajneh, Nahr-el-Bared, Burj-Al-Shemali und El-Buss ist eine tägliche, stündliche und minütliche Anklage gegen Israel, das den PalästinenserInnen das international anerkannte Recht auf Rückkehr verweigert, aber auch eine Anklage gegen die internationale Gemeinschaft, die untätig bleibt und nach wie vor Israel deckt und unterstützt.
Wir sahen Familien, die gezwungen sind auf engstem Raum und unter unerträglichen Zuständen in ihren nunmehr seit 57 Jahren behelfsmässigen Elendsquartieren zu leben, täglich auf ihre Rückkehr nach Palästina wartend. Wir sahen Kinder, die aufgrund der Flüchtlingsexistenz an Krankheiten leiden, die in Europa längst unbekannt sind, mussten Kleinkinder auf Müllplätzen spielen sehen, weil die hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslager keinen anderen Platz bieten und die sanitäre Situation desaströs ist; leben hier während unseres Aufenthaltes in unserem Quartier in Rashydia mit Menschen zusammen, die oft stunden- oder tagelang bei ärgster Hitze ohne Strom auskommen müssen, weil die Versorgung zusammengebrochen ist. Wir sahen die Spuren der Verwüstung der israelischen Invasion, sprachen mit Überlebenden der israelischen Massaker, die uns die Fotos ihrer Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter, Väter und Mütter zeigten, ermordet oder verschleppt von israelischen Soldaten und ihren verbündeten Milizen, sahen Fotos israelischer Soldaten, lachend die Zeitungsberichte über die Massaker in Sabra und Schatila lesend.
palästinensisches Kind in der Flüchtlingssiedlung Al Awda
Und wir sahen und erfuhren die unbeschreibliche Kraft eines Volkes, das in all dem täglichen Leid, in all der stündlichen Not, dem unsagbaren Elend und der ständigen Bedrohung durch Israel, dem permanenten Unrecht widersteht. Wir durften hautnah erleben, wie allumfassend, formenreich und vielfältig dieser Widerstand ist, wie jede Palästinenserin und jeder Palästinenser, jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind auf den Straßen der Flüchtlingslager diesen Widerstand im Alltag lebt und im Herzen trägt: Wir wurden zu palästinensischen Speisen eingeladen, gekocht und zubereitet in der Tradition Palästinas vor der Nakba, sahen Kinder auf den Bühnen die Geschichte Palästinas darstellend, jedes Fest, jede Mahlzeit, jeder Tanz, jedes Lied, selbst ein Gespräch über das Wetter ist lebendige Erinnerung an Palästina und zugleich Vorbereitung auf die Rückkehr in die Heimat. Wir werden nie das Gespräch mit der 10jährigen Fatima aus dem Flüchtlingslager Schatila vergessen, die uns ihren Heimatort in Palästina beschrieb, den sie noch nie sehen durfte und die uns erzählte, dass sie Journalistin werden möchte, um über Palästina und die Rechte ihres Volkes zu schreiben. Wir werden niemals den tiefen Eindruck vergessen, den die palästinensische Gesellschaft hier in den Flüchtlingslagern mit ihrer unfassbaren selbstverwalterischen Kraft bei uns hinterlassen hat; Menschen, die unter widrigsten Bedingungen Schulen und Kindergärten, Selbsthilfeorganisationen für Behinderte, Ausbildungseinrichtungen für Jugendliche, Frauenorganisationen, Ferien-, Tanz-, Musik- und Kulturgruppen für Kinder selbstorganisiert aufbauen und betreuen, die Geschichte und Kultur des palästinensischen Volkes und seines jahrzehntelangen Widerstandes gegen Unrecht, Vertreibung und Besatzung von einer Generation an die nächste weitergeben. Menschen einer selbstverwalteten Gesellschaft mit einem tiefen Zusammenhalt und einer aufrichtigen Freundlichkeit gegenüber Fremden und Besuchern, die nicht auf Hilfe von außen warten, sondern sich selbst organisieren und von der internationalen Gemeinschaft in erster Linie nur eines erwarten: Unterstützung bei der Verwirklichung ihres unveräußerlichen Rechts auf Rückkehr.
Wenn man in Europa, so weit weg von Palästina und seinem Volk auch nur einmal gezweifelt hat, ob die PalästinenserInnen ihr Recht auf Rückkehr tatsächlich verwirklichen werden können, so weiß man nach einem Besuch hier in den Flüchtlingslagern:
"هم عائدون" - sie werden zurückkehren!



aus dem Flüchtlingslager Rashydia, Libanon, 21. August 2005



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