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Dem, der gewürgt wird, bleibt das Wort im Hals stecken – zum Auftrittsverbot von Rasmea Odeh

English below

Die deutsche Regierung, stellvertreten durch die Berliner Senatsverwaltung für Inneres, hat mit ihrer Entscheidung Rasmea Odeh das Schengen Visum und das Rederecht zu entziehen, deutlich zum Ausdruck gebracht, wie die kriegerische Expansionspolitik Europas in Afrika, der islamischen und arabischen Welt und natürlich in Lateinamerika an der „Heimatfront“ auszusehen hat. Ganz nach dem abgefeimten ehemaligen, sozialdemokratischen, deutschen Verteidigungsminister Peter Struck wird die „Sicherheit der Bundesrepublik“ nicht nur „am Hindukusch verteidigt“, sondern auch in Mali, Venezuela, Libyen oder Palästina. Und diese Verteidigung bedeutet nichts anderes, als Krieg, Kolonisierung, Besatzung, Sabotage und Aushungerung.Rasmea Odeh, 1948 in Lifta geboren und von den zionistischen Terrormilizen vertrieben, soll mundtot gemacht werden. Sie verkörpert aber nicht nur als Überlebende der Nakba die palästinensische Geschichte. Sie verkörpert die palästinensische Geschichte des Widerstandes. Die israelische Regierung will heute in Lifta die Ruinen des palästinensischen Dorfes dem Erdboden gleichmachen, und die deutsche Regierung möchte der Zeugin den Mund verbieten . Beides, die Ruinen ihres Dorfes in das Rasmea nicht zurückkehren darf wie auch die Unterdrückung ihrer Stimme, sind Teile des historischen Unrechts des europäischen Kolonialprojekts in Palästina. Initiiert wurde die Kampagne von genau den diplomatischen VertreterInnen jener Regierungen, die historisch und gegenwärtig für die Zerstörung des Irak verantwortlich sind, für die tausenden Toten im zerissenen Syrien und die notleidende Bevölkerung in Gaza verantwortlich sind. Der US-Botschafter Jeremy Grenell und der Botschafter Israels Jeremy Issacharoff , unterstützt von den neoimperialen Kampagnenblättern der deutschen Presse haben verlässliche Partner in jeder dieser deutschen Regierungen.Es ist eine Machtdemonstration dieser Regierungen, die Friedenspläne präsentieren, Ein- Zwei- Drei- und Kein-Staatenlösungen vorschlagen, während sie ihre Soldaten aufmaschieren lassen und jeden gerechten, wirklichen Frieden im Keim ersticken. Rasmea darf in Deutschland nicht reden.„Dem, der gewürgt wirdBleibt das Wort im Halse stecken.Stille breitet sich aus und von weitemErscheint sie als Bewilligung.Der Sieg der GewaltScheint vollständig.Nur noch die verstümmelten KörperMelden, daß da Verbrecher gehaust haben.Nur noch über den verwüsteten Wohnstätten die StilleZeigt die Untat an.Ist der Kampf also beendet?Kann die Untat vergessen werden?Können die Ermordeten verscharrt und die Zeugen geknebelt werden?Kann das Unrecht siegen, obwohl es das Unrecht ist?Die Untat kann vergessen werden.Die Ermordeten können verscharrt und die Zeugen können geknebelt werden.Das Unrecht kann siegen, obwohl es das Unrecht ist.Die Unterdrückung setzt sich zu Tisch und greift nach dem MahlMit den blutigen Händen.Aber die das Essen heranschleppenVergessen nicht das Gewicht der Brote; und ihr Hunger bohrt nochWenn das Wort Hunger verboten ist.Wer Hunger gesagt hat, liegt erschlagen.Wer Unterdrückung rief, liegt geknebelt.Aber die Zinsenden vergessen den Wucher nicht.Aber die Unterdrückten vergessen nicht den Fuß in ihrem Nacken.Ehe die Gewalt ihr äußerstes Maß erreicht hatBeginnt aufs neue der Widerstand.“(Bert Brecht, „Stimmen über Karl Kraus zum 60. Geburtstag“, Wien, 1934)

Dar al Janub – Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative, Wien, am 18.3.2019 – Internationaler Tag der politischen Gefangenen

Weiterführende Informationen:
https://www.facebook.com/SamidounPrisonerSolidarity/
https://samidoun.net/

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English:

Words stick in the throat of those that are choked! – On the Silencing of Rasmea Odeh

Acting for the German government, the Berlin Senate Department of the Interior, has denied Rasmea Odeh a Schengen Visa and the right to speak. This clearly illustrates how the war-like expansionism of Europe in Africa, the Islamic and Arabic world and of course Latin America should work on the “home front”. Entirely in accordance with the words of the crafty former social democratic Minister of Defense, Peter Struck, the “security of the Federal Republic” must not only be “defended on the Hindu Kush”, but also in Mali, Venezuela, Libya or Palestine. And, of course, “defense” really means war, colonization, occupation, sabotage and starvation.Consequently, Rasmea Odeh, born in Lifta in 1948 and expelled by terrorist Zionist militias, must be silenced. As a survivor of the Nakba, she embodies not only Palestinian history, but also the history of Palestinian resistance. Today, the Israeli government wants to raze the ruins of Lifta, and the German government wants to shut the mouth of the witness. The ruins of the village to which Rasmea’s return is forbidden and the suppression of her voice are both parts of the historic injustice of the European colonial projects in Palestine.The campaign to silence Rasmea was launched by the diplomatic representatives of the governments that were responsible for the historical and continuing destruction of Iraq for the thousands of deaths in war-torn Syria, and the enormous suffering of the people of Gaza. The US ambassador, Jeremy Grenell, and the Israeli ambassador, Jeremy Issacharoff , supported by neo-imperial campaigners in the German media have reliable partners in German governing circles.These governments demonstrate their power. They present “peace” plans – one-, two-, three- and no-state solutions – even as they issue marching orders to their troops and nip any chance of a real and just peace in the bud. But Rasmea may not speak in Germany.

BERT BRECHT, “VOICES ABOUT KARL KRAUS ON HIS 60TH BIRTHDAY”, VIENNA, 1934

Words stick in the throats of those that are choked.Silence fans out and from afar it appears as assent.The victory of violence seems complete.Only mutilated bodies report that criminals occupied this place. Only silence, reigning over the ravaged dwellings, is witness to the atrocity.So is the fight over? Can the atrocity be forgotten? Can the witnesses be gagged and the murdered buried in haste? Can injustice prevail even though it is injustice?Atrocities can be forgotten. The witnesses can be gagged and the murdered buried in haste. Injustice can prevail even though it is injustice. Repression takes a seat at the table and reaches for the meal with its bloody hands.But those who haul in the meal do not forget the weight of the bread, and their hunger still pains even though the word hunger is banned. Whoever said hunger lies there slain.Whoever called out repression is down and gagged. But those paying the interest do not forget the usurer. But the repressed do not forget the boot on their neck. Even before the violence has reached its peak, resistance begins anew.





Dar al Janub – Union for Anti-Racist and Peace Policy Initiatives, March 18, 2019 (International Day of Political Prisoners)

For detailed information see: https://www.facebook.com/SamidounPrisonerSolidarity/
https://samidoun.net/

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